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  • Antje Hirt

Demenz als Schreckgespenst?


Was passiert eigentlich mit uns, wenn wir bei Demenz an ein Horrorszenario denken? Was macht das mit uns, wenn wir das Endstadium vor Augen haben und völlig orientierungslose Menschen in unserer Vorstellung erscheinen?

Oder anders gefragt: Warum machen wir Menschen uns oft selbst Angst? Warum ertappen wir uns häufig bei dem Gedanken, wir hätten etwas falsch gemacht, wenn uns herausfordernde oder unbekannte Dinge begegnen?

Horrorszenarien sind immer Dramen. Wir fühlen uns ausgeliefert, mitgerissen, unserer Entscheidungsgewalt beraubt.

Wenn wir uns sagen, wir erleben jetzt ein Drama, dann missbrauchen wir uns selbst körperlich und emotional. Wir lassen zu, dass dieses Bewusstsein unseren Körper flutet. Wir sind nicht mehr frei, den Dingen interessiert zu begegnen, sondern unsere Gedanken sind beeinflusst von den Gedanken über das Drama, unsere Gefühle sind die Gefühle im Zusammenhang mit einem Drama, unser Glauben wird beeinflusst durch unsere Glaubenssätze über unser Demenzdrama. All das sickert in uns ein und ruft die inneren Kritiker auf den Plan, die dann mit uns reden in Sätzen wie:

Dein Körper funktioniert nicht richtig.

Du wirst schrecklich enden.

Du verdienst kein Glück.

Du solltest dich verstecken.

Schäm dich!

Diese Gedanken wiederum liefern uns zuverlässig Gefühle wie Angst, Unsicherheit, Verwirrung und Ärger. Gefühle dieser Art gehören nicht zu unseren Favoriten und deshalb versuchen wir sie zu unterdrücken.

Das führt dazu, dass unser Körper sie irgendwo ablegen muss. Das können wir nicht verhindern. Gefühle sind Energie. Sie sind da und manifestieren sich im Körper, wenn sie nicht gefühlt werden. Sie stecken in unserem Körper fest.

Wenn wir mit diesen feststeckenden Gefühlen unser Leben weiterleben, nehmen wir diese gestaute Energie mit in unseren Alltag. Das führt dazu, dass uns wiederum Herausforderungen begegnen, die aufgrund dieser Gedanken, gestauten Gefühle und unserem Umgang damit entstehen.

Wenn wir also unaufmerksam sind für das, was energetisch mit uns passiert, dann sind wir diejenigen, die an unseren Glaubenssätzen (Verstand), den dazu gespeicherten Gedanken, Gefühlen und unseren Reaktionen darauf festhalten.

Wenn wir Demenz nur aus dem Verstand heraus begreifen wollen, dann werden wir zwangsläufig leiden. Denn eben dieser Verstand ist es, der nachlassen wird. Trotzdem werden wir weiterleben. Ich glaube, dass ein guter persönlicher Umgang mit Demenz und die Entwicklung von Bewältigungsstrategien nur möglich ist über die Erforschung der Frage: Wer oder was bin ich denn? Bin ich mein Verstand? Oder gibt es da noch etwas, was mich ausmacht? War ich als Kind, als mein Verstand weniger ausgeprägt war, auch weniger ich? Oder bin ich mein Körper? Und wenn ich mein Körper bin, bin ich dann vollkommen ich, solange dieser Körper intakt aussieht. Wenn ja, wozu mache ich mir soviele Gedanken über das Verschwinden meines Verstandes?

Tatsache ist: Wir alle stellen uns dieser menschlichen Reise hier auf Erden.

Wenn wir uns selbst dafür verurteilen, dass wir diese und jene Gefühle haben, dann verhindern wir Leben. Wir alle leben dieses Leben indem wir permanent lernen. Ausnahmslos alles, was passiert, liefert uns Informationen darüber, wie Entwicklung stattfinden kann. Sich einlassen auf alle Herausforderungen dieser Reise heisst immer wieder das Loslassen von Glaubenssätzen und Verhalten zu üben.

Wir machen nichts falsch. Wir haben nur vergessen, wie Energie wirkt. Wir können wieder lernen wie unser Körper auf energetischer Ebene funktioniert.

Unsere Aufgabe ist es, zu erfahren, was ausser unserem Verstand zu uns gehört. Meiner Erfahrung nach gibt es etwas, was wachsen kann bei Demenz. Die Weisheit der Seele.

Die Rolle, die wir auf Erden spielen, können wir gestalten. Unsere Menschlichkeit können wir wachsen lassen. Wenn unser Ego sich allerdings einbildet, es könne die Art und Weise bestimmen wie das geschieht, dann sind wir auf dem Holzweg. Mit dem Erforschen unserer Seelenanteile entwickeln wir die Weisheit anzunehmen was ist. Uns damit beschäftigen befreit uns aus der düsteren Gedankenspirale der Demenz als Drama.

Wir verdienen es frei und glücklich zu sein. Demenz ändert daran nichts. Wir dürfen Spass haben, Frieden spüren, lieben. Das beginnt allerdings mit einer Selbsterlaubnis. Der Erlaubnis zu erkennen, dass wir weder unsere Gedanken, noch unser Körper oder unsere Gefühle sind. Das ist nicht leicht, in einer Welt die sich fast ausschliesslich über den Verstand definiert.

Geniesst die Selbsterforschung!

Antje



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