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  • Antje Hirt

Demenz - die unklare Wetterlage


Demenz ist wie eine unklare Wetterlage. Das gilt für Betroffene wie für Angehörige gleichermassen. Erst durch den Umgang mit ihr lernen wir, die Lage immer besser einzuschätzen. Wir sammeln Erfahrungen und wagen auch mal eine vorsichtige Prognose. Zum Beispiel für den kommenden Tag. Sicher ist eine Prognose nicht. Grundsätzlich müssen wir das Wetter nehmen wie es ist. Das gelingt uns mal besser und mal schlechter. Es kann Kopfweh verursachen und schlaflose Nächte. Dagegen kämpfen nützt nichts. Das wäre verschwendete Energie.

Jeder, der schon einmal ein Sommerfest im eigenen Garten plante weiss, wie froh er war um seinen sicheren Plan B. Wenn es in Strömen regnete diente die Garage, mit ihren vier Wänden und einem Dach als sicherer Zufluchtsort. Eng, aber gemütlich. Und das Wichtigste: Es fällt nicht alles ins Wasser.

Tritt nun die unklare Wetterlage in Form einer Demenz in unsere Leben, dann haben wir anfangs oft das Gefühl von genau dem: Wir stehen im Regen. Schlimmer noch: Alle unsere Planungen fallen ins Wasser. Uns fehlt Plan B. Eine Garage für solche Fälle haben die wenigsten gebaut oder reserviert.

Wir Menschen können nicht auf alles vorbereitet sein. Sonst müssten wir verdammt viele Garagen reservieren.

Trotzdem wollen wir Feste feiern. Und die Wahrscheinlichkeit, dass das Wetter hält liegt bei 50%. Die Frage ist, was können wir konkret tun, für den Fall, dass die anderen 50% eintreten?

Für mich heisst das Zauberwort Hingabe. Nicht in Form von Hinnehmen, sich ausgeliefert fühlen oder Aufgeben. Das wäre Unterwerfung. Aus der Angst geboren sich aufzulösen. Das würde die Demenz mächtig machen.

Die Hingabe, die ich meine, ist die Hingabe, die durch Achtsamkeit entsteht. Belebend und kraftvoll. Hingabe an den Fluss des Lebens. Mit dieser Art von Hingabe wird die Angst kleiner. Denn wir wissen, dass unser Ego schrumpfen wird. Unser Unterscheidungsvermögen und unsere Stärke werden jedoch wachsen.

Das ist für mich der Regenschirm, den wir bereit stellen können.

Er schützt nicht vor allem, aber er schenkt uns einen Raum, in dem wir trocken bleiben, allenfalls das Spritzwasser spüren.

Der Ort der Hingabe an das Leben ist unser Herz. Sowohl physisch, energetisch als auch spirituell. Unser Herz registriert alle Verbindungen zwischen Psyche und Körper. Es liegt in der Mitte der Chakren. Das Sinnesorgan, welches zum Herzchakra gehört ist unsere Haut und der dazugehörige Sinn ist das Spüren.

Indem wir den Kampf gegen unsere negativen Gefühle aufgeben, mit denen wir schlecht umgehen können, öffnen wir uns der Aufmerksamkeit für den jeweiligen Moment. Uns dem Moment hingeben heisst uns einverstanden erklären mit dem was ist, ohne zu wissen, wohin uns dieses Einverstanden sein führt. Erst wenn wir ALLES akzeptieren, was sich uns zeigt, ganz konkret heisst das unser Handeln, wie auch unser Nicht-Handeln, werden wir voller Vertrauen und offen sein für das, was uns im Zusammenhang mit Demenz erwartet.

Sich hinzugeben beinhaltet die Angst davor sich selbst aufzugeben oder zu verlieren. Dieselbe Angst begegnet mir im Zusammenhang mit Demenz auch. Andererseits ermöglicht Hingabe tiefe Verbindung. Menschen mit Demenz nutzen eine tiefe Verbindung. Davon bin ich überzeugt. Es gibt unzählige Momente, in denen sie mir das beweisen. Sie können die Kontrolle nicht behalten und müssen sich führen lassen von einer Intelligenz, die weiser ist als wir alle.

Sich selbst spüren, die Gefühle akzeptieren, sich in Dankbarkeit üben und Herzräume öffnen. Das ist die Arbeit, die wir machen können mit uns selbst und die uns vorbereitet auf Herausforderungen unseres Lebens.


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