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  • AutorenbildAntje Hirt

Ich liebe, was gelingt



Mir ist in meinem Leben schon einiges gelungen. In meiner produktiven Zeit gab es so viele Ergebnisse. Und ich habe sie geliebt. Eine Zeit lang sogar gesammelt. Ich liebe sie noch heute.

Ich liebe den Prozess.

Wirklich. Das tue ich. Es gab in meinem Leben einige Aufgaben, die richtig viel Arbeit bedeuteten. Für die ich einen langen Weg gehen musste. Und ich liebte auch den Weg. Ich hatte richtig Spass mit der Vorfreude auf das Ergebnis.

Das ist der Punkt.

Ich ging vom Gelingen aus. Von einem guten Ergebnis. Aber was ist mit all dem Scheitern? Und dem Weg dorthin?

Kann ich lieben, was nicht gelingt?

Ja, es gibt Dinge in meinem Leben, die nicht gelingen. Solche, die richtig in die Hose gehen, den Bach runter, wie man in der Schweiz sagt. Diese Dinge liebe ich genau bis zum Kipppunkt. Bis zu dem Punkt, an dem ich bemerke, dass mein Ergebnis in Gefahr ist. Ab hier versuche ich zu retten, gegenzusteuern, das Ruder noch herum zu werfen. Ab hier wird’s richtig anstrengend.

An diesem Punkt weiss ich heute: Da liegt meine Aufgabe. Nicht, weil ich die Anstrengung scheue. Sondern weil ich mir nicht mehr selbst das Leben schwer mache. Denn das habe ich. Am Kipppunkt fiel ich in mein ganz persönliches Loch. Ich rauschte mitsamt meinem Prozess den Bach runter. In mein sehr persönliches Drama, in meine bequeme Opferrolle. Unkontrollierbar. Selbstverstärkend. Das zeichnet Kipppunkte aus.

Das Ende vom Lied?

Die Palette ist reichhaltig: Scham, Schuld, Wut, alles hinwerfen, abbrechen, verleugnen, fremdbeschuldigen, bagatellisieren, schönreden, verdrängen, ins Lächerliche ziehen. Und dann? Wunden lecken. Schnell weiter. Neue Aufgabe, neuer Flow. Wenn ich Glück habe gelingts. Und wenn nicht? The same procedere.

Kann man machen. Gilt heute, glaube ich, als gesellschaftsfähig. Passt zum Tempo und zum Zeitgeist.

Warum nicht weiter so?

Weil ich schon lange das Tempo reduziere. In vielen Bereichen meines Lebens. Und je langsamer ich werde, desto mehr Langsamkeit scheine ich zu brauchen. Ich bekomme gar nicht genug. Weil es plötzlich so viel zu sehen gibt. Weil erkennen Zeit braucht.

Und was ist nun die Aufgabe?

Heute weiss ich, dass der Kipppunkt ein magischer Punkt ist. Er erinnert mich daran, mich einzulassen. Loszulassen. Andere Wege in Betracht zu ziehen. Mich wirklich hinzugeben. Nicht sofort alles als verloren zu deklarieren.

Sondern?

Ich lasse das Ergebnis fallen. Nicht ich, sondern meine Ergebnis rauscht ins Loch. Zugegeben, manchmal falle ich noch mit ihm hinein. Aber ich bin schneller wieder draussen. Und dann beginnt das Wundern, das Spielen, das Kind werden und staunen. Zuerst ist es ein Staunen vor einem riesigen Scheiterhaufen. Dann wird es zum Entdecken. Der Scheiterhaufen liegt vor mir. Wie lasse ich ihn hinter mir? Drüber, drumherum, mittendurch? Ich werde neugierig, was dahinter liegt. Worauf verperrt er mir die Sicht? Die Vorfreude ist zurück. Die Anstrengung wie weggeblasen. Ich sehe den Weg, welcher hinter mir liegt. Den ich gegangen bin bis zum Scheitern. Und jetzt eröffnen sich neue Perspektiven. Mein Blickwinkel ist weit. Er leuchtet weit über, neben , unter dem Scheiterhaufen aus, was möglich ist.

Ja, erst hier verstehe ich , was die schönen Sätze meinen: Folge der Freude. Geh dahin wo`s leicht geht. Kurz und prägnant, wie der Zeitgeist es verlangt. Und doch für Viele nicht stimmig. Häufige Gegenargumente: Das ist nicht das Leben. Wenn`s so einfach wär!

Einfach ist es nicht.

Ich musste durch einige Erkenntnisprozesse. Täler der Tränen und Verzweiflung. Bis diese Sätze für mich stimmig wurden. Bis ich den Sinn entdeckte. Bis ich meinen Eigenanteil am Geschehen fand. Bis ich auch die andere Seite der Medaille sehen und begreifen konnte.

Bis ich mich immer häufiger über mein Scheitern lachen höre.

Wie das möglich ist?

Das ergründen wir in der Weiberia. Wenn du den Boden deiner Tasachen ausleuchten willst, dann komm in den Kreis der drei Frauen. Sie halten den Raum, den du brauchst, um dich selbst zu erkennen.

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