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  • AutorenbildAntje Hirt

Idee und Wirklichkeit


Über Gefühle reden, das wollte ich heute auf unserer Demenzwohngruppe tun. Es kam zuerst anders. Und das liebe ich an meiner Arbeit. Idee und Wirklichkeit decken sich selten.

Denn seit unsere Klient:innen verstanden haben, dass die Wohngruppe ihr zu Hause ist und wir Begleitpersonen hier Gast sind, nehmen sie das Angebot unserer Gesprächsrunde auch wahr, um ihr zu Hause zu gestalten. Das durfte ich heute erfahren.

Das Thema, um das es also gehen sollte, war ein neues Sofa. Gerüstet mit einem Möbelkatalog erwartete mich eine Bewohnerin. Sie drückte aus, wie wenig ihr das alte Sofa gefiel, zeigte die Stellen, welche verschlissen waren und fragte wie lange wir das denn schon hätten.

Nun konnte ich ins Gespräch einsteigen und die Anderen fragen, wie lange sie selbst schon hier sind und ob dieses Sofa schon da war, als sie einzogen. Es entspann sich ein Gespräch darüber, wie wir am Besten gemeinsam entscheiden könnten, welches Modell allen gefällt, wer mitentscheiden möchte oder wem es recht ist, wenn die Anderen entscheiden. Am Ende fassten wir den Entschluss, dass ein Besuch im Möbelhaus mehr Spass machen würde, als ein Sofa aus dem Katalog zu bestellen. Schliesslich könnten wir Probesitzen und verschiedene Farben vergleichen. Mit Handschlag wurde beschlossen, dass wir ein neues Sofa kaufen. Ich schaute in strahlende Gesichter. Und fragte, wie es denn aussieht, wenn sie sich sehr stark freuen. Ein paar Arme gingen in die Luft. Das steckte an und wir alle machten die Siegerpose.

Und nun waren wir bei einem Gefühl. Der Freude, oder dem "Triumphgefühl", wie es Monica Lonoce Lange nennt. Ihre Toolbox Gefühle. Leben. Lernen® hatte ich vorbereitet und so konnte ich den Stern aus Holz, welcher diese Gefühle symbolisiert hervorholen und alle konnten haptisch erforschen, wie der Stern sich anfühlt.

Als nächstes holte ich das Herz hervor. Herzgefühle sind schöne Gefühle. Darüber waren sich alle einig.


Und weil ein paar Buntstifte auf dem Tisch lagen und das Herz ausgedruckt auf einem A4 Papier so einladend war, zeichneten wir unsere Herzpersonen hinein und tauschten uns darüber aus, wer in unseren Herzen wohnt. Wie beim Sofathema, schaute ich in strahlende Gesichter.

Die Träne, welche folgte, bekam den Kommentar: Die kannst du wieder wegpacken, die brauchen wir nicht. Und auch der Blitz musste wieder in die Box. Diese Gefühle heben wir uns fürs nächste Mal auf.

Der Kreis hingegen weckte wieder Neugier. Er passte so schön in die Mitte des Kreises aus Playmobilmännchen, die seit der ersten Gesprächsrunde die Bewohner:innen unserer Wohngruppe symbolisieren. Auch Gemeinschaftsgefühle wurden als schöne Gefühle erlebt und das Symbol blieb auf dem Tisch.

Obwohl wir am Anfang eine Kurve fuhren, ist es uns gut gelungen über Gefühle zu reden. Ein Anfang ist gemacht. Wir bleiben dran.

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